Sedlak Rissland Architekten

Wohnquartier Fürther Strasse 188

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2016 - 1. Preis, zusammen mit Prof. Johannes Kappler, Wohnanlage mit 192 Wohneinheiten, Tiefgarage und Gewerbeflächen
Bauherr:
Project Immobilien
Standort:
Nürnberg, Fürther Straße
Zeitraum:
2016-
Realisierung:
seit 2016
BGF:
19.200 m² oberirdisch
BRI:
59.400 m³ oberirdisch
Wohnfläche:
12.400 m²

Visualisierungen: www.ctrlviz.com

Neue Nachbarschaften in Eberhardshof

Der Bebauungsvorschlag für das Planungsareal aktualisiert die bestehende Siedlungsstruktur des Quartiers Eberhardshof mit einer prägnanten Setzung von einzelnen Baukörpern zu einem ressourceneffizienten Stadtgefüge. Durch die Aufnahme ortsspezifischer Faktoren wird er zu einem Prototyp für eine angemessene Verdichtung urbaner Standorte mit maximaler Wohnqualität. Das Leitmotiv für die Aufwertung des Wohnumfelds bilden folgende Entwicklungsziele auf den unterschiedlichen Maßstabsebenen der Stadt:

 

Stadträumlich prägnantes Ensemble: Variation und Wiederholung
Der passende Maßstab zum jeweiligen Ort

Der Bebauungsvorschlag schließt den bestehenden offenen Blockrand mit einem differenzierten Gebäudeensemble entlang der Fürther Straße, Spohrstraße und Fahrradstraße ab. Er bietet mit einer belebten Fassade eine Vorderseite zur Stadt. Das Gebäudeensemble besteht aus winkelförmigen Einzelgebäuden, die die straßenbegleitende Bebauung entlang der Fürther Straße, Spohrstraße und Fahrradstraße aufgreifen und sich im Innenhofbereich fortsetzen. Die Gebäudehöhen werden entsprechend der jeweiligen städtebaulichen Situation moduliert: sechsgeschossig als Hochpunkt an der Fürther Straße, fünfgeschossig im Maßstab der gegenüberliegenden Bebauung entlang der Spohrstraße und Fahrradstraße sowie drei- bis viergeschossig im Innenbereich. So entsteht eine gegliederte Gesamtvolumetrie, die sich in die Körnung der Umgebung optimal einfügt. Die einzelnen Gebäude sind durch leicht unterschiedlich artikulierte Fassaden voneinander abgesetzt, bilden aber durch eine ähnliche formale Gestaltung einen zusammenhängenden Gebäudekomplex mit einer Differenzierung von außen (Stadt) und innen (grüner Hof). Durch diese leichte Differenzierung greifen sie das Thema des parzellierten Städtebaus der Umgebung auf.


Wohnungstypologische Vielfalt: Privatheit und Gemeinschaft
Die passende Wohnungstypologie zum jeweiligen Ort

Die im Raumprogramm geforderte Mischung bietet eine ideale Grundlage, um für verschiedene Zielgruppen ein attraktives Wohnangebot an einem urbanen Standort zu schaffen. Innerhalb des Gebäudeensembles werden die einzelnen Typologien so verteilt, dass sie vom jeweiligen Kontext optimal profitieren: die urbanen Mikro-Apartments an der belebten Fürther Straße mit ihrer großstädtischen Atmosphäre, Atelier-Wohnungen und Lofts entlang der Fahrradstraße mit ihrem gewerblich geprägten Charakter, Etagenwohnungen in parzellierten Gebäuden ergänzt durch einzelne Loftwohnungen auf der Dachebene in der Spohrstraße im Duktus der gegenüberliegenden Bebauung sowie Atelier-Wohnungen und Stadthäuser im Innenbereich. Trotz ihrer Lage im Innenbereich erfolgt die Erschließung der Stadthäuser durch eine differenzierte Raumfolge direkt von der Spohrstraße über eine gemeinschaftliche Hoffläche. Dadurch erhalten alle Gebäude eine prägnante Adresse im Quartier. Die Wohnungen sind so angeordnet und orientiert, dass eine Höchstzahl der Wohneinheiten an den ruhigen Innenhöfen mit einer Südorientierung partizipiert. Trotz der kompakten Bebauung ist die Privatheit aller Nutzungseinheiten auch über Gebäudeecken hinweg gewährleistet.

Die notwendigen PKW-Stellplätze sind in einer Sammelgarage untergebracht, von der aus man die einzelnen Gebäude direkt erreichen kann. Für Fahrräder und Kinderwagen bestehen komfortable Abstellmöglichkeiten in direkter Zuordnung zu den Eingängen in den Erdgeschosszonen. Sie verleihen diesen Bereichen eine angemessene Großzügigkeit, die einen Beitrag zu einer langfristigen Wertigkeit der Wohnanlage leistet.


Belebte Erdgeschosszone: Städtisches Wohnen an der Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Raum

Die Wohnungen sind zum Schutz der Privatsphäre ihrer Bewohner auf der Erdgeschossebene zum öffentlichen Raum im Hochparterre angeordnet. Im Innenbereich schließen sie ebenerdig mit einem privaten Garten an das Niveau der Innenhöfe an. Um den Straßenraum ausreichend zu beleben sind die Eingangssituationen großzügig ausgebildet. Sie befinden sich an strategischen Stellen an den Straßenecken sowie an den Zugängen zum Innenhofbereich und gewähren durch eine transparente Fassadengestaltung großzügige Ein- und Ausblicke. Entlang der Fürther Straße ist im Erdgeschoss eine unterteilbare Gewerbeeinheit vorgesehen, die ebenfalls zur Belebung des öffentlichen Raums beiträgt. Die Baukörper bilden beruhigte, landschaftlich gestaltete Innenhöfe. Diese Innenhöfe sind nur für die Bewohner der angrenzenden Wohneinheiten zugänglich.


Differenziertes Angebot an nachhaltigen Maßnahmen: Ressourceneffizientes Wohnen

Die Gebäude sind in ihrer Materialität, Orientierung und Kompaktheit so artikuliert, dass sie für ressourceneffizientes Wohnen unabdingbare Voraussetzungen erfüllen. Die Südseiten lassen bei Sonneneinstrahlung einen erheblichen Wärmegewinn zu, eine luftdichte und wärmegedämmte Gebäudehülle ermöglicht einen minimalen Wärmeverlust. Im Inneren sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung für Frischluft und Heizung. Die zusätzlich zur passiven Solarenergiegewinnung benötigte Heizwärme wird über einen Fernwärmeanschluss mit einem günstigen Primärenergieverbrauch bereitgestellt. Zudem kann durch Querlüftung das Gebäude im Sommer gekühlt werden.