Sedlak Rissland Architekten

PennBox

Beschreibung:
Ein nomadisches Wärmedämmverbundsystem
Standort:
München und überall
Zeitraum:
2015
BGF:
4 m²

Standort(e)

Als Aktionsraum für das nomadische WDVS wählen wir die Kleiststraße im Stadtteil Untergiesing. Das Areal ist unter anderem durch eine prägnante Großwohnanlage gekennzeichnet. Architekt Helmut Wolff entwickelte sie 1927 im Stile der Neuen Münchner Sachlichkeit. Die Fassaden sind mit einem historischen Edelputz (Kellenwurfputz) versehen.Am Kreuzungspunkt der Pilgersheimer Straße mit der Kleist-straße öffnet sich die Anlage. Eine kleinere Grünfläche mit Wandbrunnen markiert diesen Bereich und stellt eine ungenutzte Raumreserve dar.Dies könnte der Hauptstandort des nomadischen WDVS sein. Von hier aus können die Nutzer das Objekt durch den ganzen Stadtteil bewegen und sich einen Verweilort ihrer Wahl suchen. Einen Ort, an dem sie Muße finden und für kurze Zeit dem Alltag entfliehen: Sonnenaufgang am Mühlbach, Siesta am Hans-Milich-Platz …

 

Idee

Das Wort „pennen“ kommt vom hebräischen Wort penai und bedeutete ursprünglich die „Zeit zur Muße“.Die PennBox ist ein mobiles nomadisches Objekt mit mehreren Funktionen: Sie bietet Schutz vor Regen, Hagel und Kälte. Aufgrund des geringen Gewichtes und den mobilen Charakter kann sie an den ungewöhnlichsten Orten im Stadtraum als temporäres Lager genutzt werden, im Sommer wie im Winter.Sie bietet den Stadtnomaden im hektischen Alltag einen Ort der Rast und Ruhe, gibt ihnen Zeit zum Innehalten, frei von Fremdinteressen und Kommerz.
Die Halbschale der PennBox ist flexibel einsetzbar, als „Ein-Mann-Behausung“ oder kombiniert als „Partnerhöhle“. Als Material werden Polystyrolreste aus dem Baugewerbe genutzt (Recycling von Verschnittabfällen / geringe Materialkosten). Die WDVS-Reste werden miteinander verklebt. Im Inneren des Objektes entsteht dabei eine ergonomisch geformte Schlafhöhle. Die Außenfläche wird mit Gewebearmiert. Anschließend wird ein passender Edelputz aufgetragen. Ein auf Rollen gelagerter Unterbau/Sockel macht die PennBox mobil.Durch den monolithischen Aufbau aus Dämmmaterial kann die PennBox auch in kal-ten Jahreszeiten genutzt werden. Als Einzelbox kann es dann an wärmegedämmte Gebäude im Quartier angelehnt werden und mit dem WDVS der Gebäudefassade ein energetisch geschlossenes System bilden. Zwei PennBox-Halbschalen können zu einer „Partnerhöhle“ kombiniert werden.

 

Impulse und Nachnutzung

Die PennBox zeigt Raumreserven und Qualitäten im Stadtraum auf und macht sie temporär nutzbar. Das Objekt bezieht kritisch Stellung zum aktuellen Dämmwahn in den Städten und überspitzt ihn als „energetische Sanierung des öffentlichen Raumes“ ins Absurde. Durch den Einsatz entsprechender Farben und Putze (Edelputze wie Münchner Rauhputz, Kellenwurfputz), die mit den umliegenden Hausfassaden  abgestimmt werden, integriert sich die PennBox sehr gut in die Nachbarschaft (Mimikry). Angelehnt an die verputzten Gebäudefassaden, wird sie sogar zur optischen Gebäudeerweiterung.
Gerade für Obdachlose Menschen, die auf die Potentiale des öffentlichen Stadtraumes angewiesen sind, bietet das nomadische WDVS eine kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit. Deshalb schlagen wir vor, das Objekt nach der Spätsommernutzung den Obdachlosen des Quartieres zur Verfügung zu stellen, damit diese in besonders kühlen Nächten eine wärmegedämmte Zuflucht finden. Eventuell könnte man mit Materialspenden von Baufirmen weitere PennBoxen produzieren und diese in ganz München verteilen. oder eine kleine Schlafsiedlung für Obdachlose schaffen.