Sedlak Rissland Architekten

Neugestaltung Hauptstraße

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2012 - 1. Preis, zusammen mit bauchplan ).(
Bauherr:
Gemeinde Markt Erlbach
Standort:
Markt Erlbach
Zeitraum:
2012-
Realisierung:
seit 2012
Fertigstellung:
voraussichtlich 2019

Der Verkehr zu Gast

Das formulierte Anliegen der Bürgerinnen ist das einer benutzbaren und lebenswerten Ortsmitte als Aufenthalts- und Geschäftsbereich, welche die individuellen Bewegungen und damit auch den motorisierten und ruhenden Verkehr einbindet. Dies bildet die Grundlage für ein Verkehrskonzept, welches einen Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit 20 km/h vorsieht. Die Zonierung von Bewegungs- und Aufenthaltsbereichen erfolgt schwellenlos als von Fassade zu Fassade als durchgehender Stadtteppich. Zur Unterstützung der Geschwindigkeitsreduktion wird keine getrennte Fahrbahn ausgewiesen. Dies führt zu einer erhöhten Aufmerksamkeit der Kfz-Lenker und größerem Platzangebot für Fußgänger und Radfahrer.  Die Straße wird wieder vermehrt als Begegnungsraum etabliert. Auf ganzer Länge bleibt in der Hauptstraße jedoch eine Begegnungsbreite von PKW und Bus verfügbar. Die Fahrbewegungen werden durch Pflaster, geschickte Möblierung, Baumstellungen und Anordnung des ruhenden Verkehrs organisiert, so dass die Hauptstraße als anzueignender Wohlfühlraum nutzbar wird. Wie bisher gilt ein Fahrverbot für LKW, jedoch mit zulässiger Zu- und Anlieferung. Der Stadtboden erfährt eine grundsätzliche Gliederung durch die asymmetrisch im Straßenprofil angeordnete Entwässerungsrinne.

Die Linienführung begleitet das Durchfahren und gliedert Aufenthalts- und Bewegungsbereiche. Die einseitige Bushaltestelle im Marktbereich wird mit einem Kassler Hochbord barrierefrei angelegt. Bereiche für den ruhenden Verkehr sind als Kurzzeit-Parkplätze erkennbar in das Pflastermuster eingearbeitet. Der Raum für Stellplätze entspricht der heutigen Situation. Die Ausweisung und Durchsetzung der Nutzung dieser Parkflächen, sowie einer temporären Parknutzung außerhalb dieser Flächen sollte Gegenstand eines weiteren Findungsprozesses in der Marktgemeinde sein.

Insbesondere das Freihalten am Marktplatz vor dem alten Rathaus muss als gesellschaftlicher Konsens erfolgen. Eine umfassendere Betrachtung der Stellplätze im inneren Bereich Markt Erlbach zeigt, dass rückwärtig zur Hauptstraße in fußläufiger Nähe grundsätzlich viele Stellplätze zur Verfügung stehen und Erweiterungsoptionen gegeben sind. Die Nutzung dieses Angebots muss auffindbar gestaltet und ins Bewusstsein der Nutzer gerückt werden.

 

Stadtteppich als Begegnungsraum

Das vorhandene Natursteinpflaster wird gereinigt und wiederverwendet. Ergänzend zum vorhandenen mittelgrauen Granit-Kleinsteinbelag werden helle und gelbliche europäische Granitsteine sowie türkischer Basalt gemischt, so dass ein abwechslungsreicher attraktiver Stadtteppich entsteht, der von Fassade zu Fassade reicht. Alle Übergänge zum Fahrbereich können schwellenlos ausgebildet werden. In den Randbereichen kommt geschnittenes Material zum Einsatz um die Bequemlichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zusätzlich zu erhöhen. Teile des Großsteinpflasters können ökonomisch sinnvoll geschnitten werden. Mit ihnen können Vorbereiche zu öffentlich genutzten Häusern im Teppich als Intarsien herausgehoben werden. Der Rest wird gereinigt und für die Parkplatzbereiche wiederverwendet. Zu den Rändern der Straße wird der Stadtteppich an einzelnen Hauseingängen in Abstimmung mit den Eigentümern leicht angehoben um bestehende Stufen zu ersetzen oder zu verkürzen. Im Zusammenspiel mit der Entwässerungsrinne entsteht außermittig im Straßenprofil ein leichte Senke, die den Verkehr zusätzlich in die Straßenmitte lenkt. Durch Materialisierung und Topographie des Belags ergibt sich fußläufig und für Fahrzeuge eine Qualifizierung und Lenkung der Bewegungen entsprechend der Rauigkeit des Belags.

 

Barrierefreiheit

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer Reaktivierung des Ortskerns ist die Erschließung der Bausubstanz für ältere Generationen. Die Nähe zu ökonomischer, kultureller oder medizinischer Infrastruktur, zu Bekannten und Freunden ist der wesentliche Standortvorteil gegenüber peripher gelegenen Wohnorten. Deshalb werden die Beläge an Eingängen von öffentlich genutzten Erdgeschossen, die derzeit ein bis zwei Stufen Niveauunterschied zur Straße haben, angehoben, so dass eine barrierefreie Erreichbarkeit möglich ist. Wo gewünscht, aber technisch nicht möglich erfolgt zumindest eine barrierearme Verbesserung der heutigen Situation durch Reduktion der Stufen oder schwellenfreie Rampen mit mehr als 6%. Dieses Vorgehen ist mit dem Denkmalschutz vorbesprochen und erfolgt in Abstimmung mit den Eigentümern. Der neu geformte Straßenraumquerschnitt erzeugt einen offenen Kommunikationsraum und ergänzt das räumliche Gefüge des Stadtkerns.