Sedlak Rissland Architekten

Gemeindehaus mit Kindertagesstätte und Wohnbebauung

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2017 - Ankauf, zusammen mit raum3 Architekten, Gemeindehaus, Kindertagesstätte und Wohnbebauung
Bauherr:
Evangelische Kirche Mannheim
Standort:
Mannheim-Feudenheim
Zeitraum:
2017
BGF:
2.590 m²

“Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.” (Matthäus 18:20)

 

Städtebauliche Einbindung

Das neue Gemeindezentrum an der Johanneskirche soll ein Ort der Generationen, ein Ort der Begegnung und des Miteinanders werden. Die zentrale Lage an der Hauptstraße in der Ortsmitte von Feudenheim ist sowohl für die evangelische Gemeinde als auch für Vereine und Musikgruppen sehr attraktiv.

Das denkmalgeschützte Ensemble aus Johanneskirche und Pfarrhaus wird ergänzt durch das neue Gemeindehaus und die Kindertagesstätte. Beide Einrichtungen bilden eine räumliche Einheit mit Synergie-Effekten. Der Bereich des Gemeindehauses wird als Kopfbau an der Hauptstraße platziert. Er dient als Auftakt und der Adressbildung. Die Kindertagesstätte schließt direkt an die Räumlichkeiten der Gemeinde an. Das gesamte Bauteil umarmt die Johanneskirche und steht als Sinnbild für das gemeinschaftliche Leben.

Die bestehende Situation der Grenzbebauung am Nachbargrundstück (Fl.Nr. 20563) wird mit den neuen Gebäuden abgeschlossen und aufgewertet.

Zwischen Johanneskirche und dem Neubau entsteht ein leicht erhöhter Kirchplatz als Treffpunkt, Verteiler und Freifläche für Feste und Veranstaltungen. Auf dem Kirchplatz wird der historische Brunnen positioniert, das Pendant zum Brunnen am gegenüberliegenden Bürgerplatz. Die beiden Plätze erhalten dadurch verbindende Elemente als Corporate Design, zwei miteinander kommunizierende Plattformen des öffentlichen Lebens. Das Kirchen-Plateau wird zukünftig durch ein dezentes Rampensystem vollständig barrierefrei erschlossen. Auch der Westeingang der Johanneskirche wird dadurch barrierefrei zugänglich sein.

Die denkmalgeschützte Mauer bleibt in ihrem Erscheinungsbild weitestgehend erhalten. Die vorgesehenen Neubauten werden schlüssig daran angefügt. Die herausragende Stellung der Johanneskirche im Stadtbild wird durch die Höhenentwicklung der hinzugefügten Elemente nicht in Frage gestellt. Die neuen Bausteine ordnen sich in Masse und Kubatur dem Sakralraum unter, haben aber dennoch genug Kraft, um zusammen mit der Kirche ein neues Gesamtensemble auszuformulieren.

Auf den südlichen Grundstücken entlang der Hirschhorner Straße und Eberbacher Straße werden zwei Häuser mit generationengerechtem Wohnen vorgeschlagen. Städtebaulich knüpfen sie an die Konfiguration von Gemeindehaus und Kita an und vervollständigen das Quartier im Sinne des Aufbauplanes. Die notwendigen Stellplätze für das Wohnen werden in einem Parkdeck nachgewiesen, die Zufahrt erfolgt von der Hirschhorner Straße.

Der vorhandene Baumbestand wird weitestgehend erhalten und in die neuen Freiflächen integriert. Die vorhandene Höhenmodellierung auf dem Grundstück wird deshalb nur wenig verändert, Plateausituation mit Mauer an der Kirche und grüner Tiefhof bleiben bestehen.

Die öffentlichen Parkplätze werden zwischen Pfarrhausgarten und der südlichen Wohnbebauung als Sammelparker nachgewiesen. Er wird von der Eberbacher Straße aus erschlossen. Eine direkte fußläufige Verbindung vom Parkplatz zum Kirchenplateau und den Eingängen zur Kita und zum Gemeindehaus ist vorgesehen.

 

Nutzungskonzept

Die neuen Baukörper sind geprägt durch ihr einfaches und klares Erscheinungsbild. Die Nutzungen teilen sich auf in das Gemeindehaus mit Kindertagesstätte und die beiden Wohnhäuser.

Gemeindehaus

Das Gemeindehaus wird offen und einladend gestaltet, ein Haus für alle Generationen, ein Begegnungsort für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Es fungiert, direkt neben der Johanneskirche gelegen, als Visitenkarte der Gemeinde.

Der Zugang erfolgt von der Hauptstraße aus über den Kirchplatz. Die innere Erschließung ist klar strukturiert. Die Geschossebenen sind durchweg barrierefrei erreichbar, ein Aufzug verbindet alle Nutzungseinheiten miteinander.

Im Erdgeschoß liegen ein kleines Café, Gemeindesaal und Musikraum. Der Saal ist mit dem Musikraum kombinierbar und wird für Gemeindefeste und Vereinsfeiern zum großen Veranstaltungssaal mit Bühne. Im Obergeschoss gibt es weitere flexibel nutzbare Gruppenräume, darüber hinaus werden hier die Pfarramtsräume integriert. Eine großzügige Dachterrasse ermöglicht das Tischtennisspielen im Freien oder andere Jugendaktivitäten.

Fließende Übergänge zwischen Innen und Außen stellen einen wichtigen Bestandteil des Konzeptes dar.

Technikräume und Nebenräume wie Stuhllager werden im Untergeschoss nachgewiesen.

Kindertagesstätte

Die 5-gruppige Kindertagesstätte ist direkt an das Gemeindehaus angeschlossen. Die Einrichtung besitzt jedoch einen eigenen separaten Zugang mit Foyer, Wartebereich und Elterninfo.

Der Mehrzweckraum ist im Erdgeschoß platziert und mit dem Foyer für größere Veranstaltungen schaltbar.

Auch der Essbereich als zentraler Treffpunkt und Ort gemeinschaftlicher Aktivität befindet sich im Erdgeschoß und ist zum Foyer schaltbar. Die Anlieferung und Entsorgung der zugehörigen Kochküche erfolgt getrennt vom Kita-Betrieb. Durch ihre räumliche Nähe zueinander entstehen Synergien zwischen dem Speiseraum der Kita und dem Café des Gemeindehauses. Auch für Service-, Technik- und Personalbereiche bestehen Synergie-Effekte.

Die differenzierte Grundrissausbildung fördert die Begegnung, Annäherung und Kommunikation zwischen den Kindern, bietet auf der anderen Seite aber auch eine Lebenswelt mit Rückzugsmöglichkeiten und angenehm entspannter Atmosphäre. Integration, Gemeinschaft und individuelle Förderung müssen sich gegenseitig nicht ausschließen. Die Gruppenräume sind effizient und nutzungsoffen über zwei Geschosse verteilt. Zugehörige Intensivräume sind über eine Verbindungstür direkt angebunden. Schlafräume befinden sich in ruhigeren Abschnitten. Zentral gebündelte Sanitärbereiche sind für die Kindergartenkinder vom Flur aus zugänglich. Die Funktionskerne enthalten auch Flächen für Materiallager und Garderobe.

Die Gänge werden durch Aufweitungen und Sitzmöglichkeiten zu gemeinschaftlichen Erlebnisräumen mit Aktivzonen und Ruhezonen. Sie sind gleichzeitig aber auch kindgerechte Orientierungsinseln und für das Personal gut einsehbare Orte mit größtmöglicher Übersicht. Im Erdgeschoss endet der Spielflur auf einer großzügigen Terrasse. Dem Souterrain ist der Gartenspielbereich vorgelagert. Im Spielgarten wird mit intensiven Erlebnismöglichkeiten auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersstufen eingegangen. Der geschützte Tiefhof erhält eine leicht modulierte Oberfläche, Natur wird hier sinnlich erfahrbar. Die Kinderkrippengruppe erhält einen eigenen vorgelagerten und abgetrennten Freibereich.

Die Kindertagesstätte ist Lern- und Erfahrungsraum, an dem christliche Grundwerte vermittelt werden. Dazu gehören auch Integration und die Inklusion. Das gesamte Haus ist barrierefrei erschlossen, auch die Freiräume sind schwellenlos erfahrbar.

Aufgrund der Positionierung der neuen Kita und des Gemeindehauses kann der Kindergartenbetrieb im Bonhoeffer-Haus bis zur Fertigstellung des Neubaus aufrechterhalten werden.

Wohnen

Im südlichen Planungsbereich bleibt eine zusammenhängende Fläche von ca. 2.000 m² für Wohnzwecke übrig. Wir sehen hier primär Wohnformen, die von den Vorteilen und Angeboten des neuen Gemeindezentrums profitieren können, wie z.B. ein Generationenwohnen oder ein betreutes Wohnen. Natürlich sind auch andere Wohn- bzw. Vermarktungsstrategien innerhalb der vorgeschlagenen Kubaturen denkbar.

Im betrachteten Fall werden 1-,2- und 3-Zimmer-Apartments für betreutes Wohnen, Generationen-Wohnen bzw. rollstuhlgerechtes Wohnen vorgeschlagen. Im Souterrain ist ein Gemeinschaftsraum mit Gartenfläche angedacht. Direkte Wegeverknüpfungen zum Gemeindehaus unterstützen das integrative Konzept.

Das Areal zwischen Hauptstraße und Hirschhorner Straße kann zu einem beispielhaften Projekt werden.

Ein Ort, wo Jung und Alt, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen kommen, voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren.

 

Konstruktion und Materialität

Das Erscheinungsbild des Gemeindezentrums ist geprägt durch eine schlichte und klare Formensprache.

Die Konstruktion der Gebäude besteht aus tragenden Wandscheiben und Stahlbetonstützen. Punktgelagerte Stahlbetondecken liegen auf diesen Elementen auf. Die Außenwände sind hochwärmegedämmt und werden zweischalig in Sichtmauerwerk ausgeführt. Als System wird der Flämische Verband gewählt. Die Fensterbereiche werden mit Perforationen im Mauerwerk akzentuiert. Die Gemeinschaftsbereiche des Erdgeschosses erhalten raumhohe Glaselemente.

Der warme Werkstoff Holz wird zum Wegbegleiter im Inneren, er wird an Boden, Wand und Decke eingesetzt. In den Kita-Räumen erhalten die Böden einen Linoleumbelag. Farblich aufeinander abgestimmte Oberflächen dienen im gesamten Gebäude der Orientierung der Nutzer. Außenliegende Raffstoren sorgen für den notwendigen sommerlichen Sonnenschutz.

Die vorgesehenen Wandaufbauten und Fensterelemente garantieren die Heizwärmebedarfskennzahl eines Niedrigenergiehauses. Eine wärmebrückenfreie Konstruktion und die Sicherstellung der Luftdichtigkeit vermeiden Energieverluste. Betreuungs- und Gemeinschaftsbereiche werden mit kontrollierter Be- und Entlüftung betrieben, ergänzt durch Wärmerückgewinnung der Abluft. Die Wärmeversorgung wird durch Solarkollektoren auf den Dachflächen unterstützt.

Die Dachflächen des Kinderhauses werden als Flachdach ausgebildet und begrünt. Dachwasser kann in Zisternen gesammelt und dem Brauchwasser zugeführt werden (z.B. für Gartenwasser / Toilettenspülung). Teile des Dachwassers werden verzögert abgegeben und dadurch im Garten und am Platz erlebbar. Es entstehen Erfahrungsmöglichkeiten mit Spielwert. Ökologie wird anschaulich gemacht und als Gestaltungselement genutzt.

Das Dach des Gemeindezentrums wird als asymmetrisches Satteldach ausformuliert und passt sich dadurch in den Straßenzug der Hauptstraße ein.