Sedlak Rissland Architekten

DATEV IT-Campus

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2012 - 1. Preis, zusammen mit Prof. Johannes Kappler, Fassadengestaltung
Bauherr:
Datev eG
Standort:
Nürnberg, Fürther Straße
Zeitraum:
2012-2015
Fertigstellung:
2015

DATEV-Campus als Gesamtkomplex mit eigener Identität
Der Entwurfsvorschlag für die Fassade des neuen DATEV-Campus entwickelt sich aus dem Charakter und der Bedeutung des Grundstücks an der Fürther Straße. Die Außenfassade ist so gestaltet, dass sie dem benachbarten Gerichtsgebäude eine Fassade gegenüberstellt, die den DATEV-Campus als einen homogenen, zusammenhängenden, städtischen Gebäudekomplex artikuliert, die aber gleichzeitig über eine subtile Differenzierung der Materialität, Bauteilfügung und Freiraumgestaltung eine innere Gliederung erhält.

Fassadenkategorien
Die Differenzierung der Fassade des Gebäudekomplexes sieht eine unterschiedliche Ausbildung von vier Fassadenkategorien vor: die Fassade der Parkhausgarage, die Fassade zum öffentlichen zugänglichen Außenraum, die Fassade zu den gemeinschaftlichen Innenhöfen und die Fassade der Magistrale als Rückgrat des DATEV-Campus. Die einzelnen Fassadenkategorien basieren auf den gleichen geometrischen Grundmodulen unterscheiden sich aber vor allem in der Materialität und Gestalt ihrer Oberflächen.

Innenhöfe
Alle Innenhöfe werden intensiv begrünt und mit einem Wasserelement versehen, um eine gute Luftqualität und optimale mikroklimatische Verhältnisse zu garantieren. Die gemeinschaftlichen Höfe sollen durch ähnliche landschaftliche Elemente als grüne Oasen mit differenzierten Aufenthaltsbereichen unterschiedlich gestaltet werden und einen eigenen Charakter durch die Partizipation der jeweils zugehörigen DATEV-Mitarbeiter bekommen. Der Eingangshof erhält durch ein punktförmiges Feld aus Grün- und Wasserelementen einen besonderen Charakter als Übergangsraum von der Fürther Straße zum Foyer des Gebäudekomplexes. Das Thema des punktförmigen Feldes findet im Bereich des Casinos seine Fortsetzung.

Fassadentypologie
In Materialität, Großzügigkeit und Proportionen orientieren sich die Fassaden an den Bauten der Umgebung. Sie sind als abwechslungsreiche Lochfassaden mit stehenden Formaten und einer tiefen Leibung ausgebildet. Eine Assoziation mit einer Lochkarte als Symbol für ein IT-Unternehmen ist vordergründig nicht beabsichtigt. Allerdings bestehen auch keine Einwände gegen eine solche Lesart.

Rhythmisierung
Fassaden für Bürogebäude, die auf die Anforderungen vieler gleicher Räume reagieren müssen und diese Raumserien zwangsläufig in der Erscheinung des Hauses nach außen abbilden, wirken häufig zu gleichförmig und monumental. Die vorgeschlagene Fassade für den DATEV-Campus sieht vor, die nötige serielle Anordnung von gleichen Fassadenelementen durch die Einführung einer größeren Ordnung zu Modulen zusammenzufassen. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild aus sich wiederholenden, verändernden und zueinander versetzten Fassadenelementen.

Grundmodul
Das Grundmodul umfasst einen Fassadenabschnitt von 10 m (8 x 1,25-Raster) mit drei unterschiedlichen Fensterformaten, die sich aus einem Basiselement additiv zusammensetzen. Das Grundmodul erfüllt die Anforderungen an natürliche Belüftung und Belichtung sowohl bei einer Aufteilung in 4 Einzelbüros oder bei einer Nutzung als Großraumbüro ideal. Jedes Büro erhält eine Festverglasung und einen schmalen Öffnungsflügel in einem Kastenrahmen aus silberfarbenem Aluminium. Die natürliche Lüftung erfolgt über einen Dreh-/Kippflügel, die Lichtlenkung über Aluminium-Lamellenraffstores. Ein Lüftungsflügel sorgt in einem maximalen Abstand von 5 m für die Möglichkeit die Büroräume kontrolliert automatisch zu belüften. Die Lüftungsflügel sind außen als perforierte Fassadenplatte im Format der Öffnungsflügel sichtbar artikuliert und innen als wärmegedämmter Klappflügel im oberen Drittel der Büroräume angeordnet. Diese Ausbildung ermöglicht eine zugfreie Lüftung des Arbeitsplatzes. Im Bereich der Fürther Straße sorgt eine Prallscheibe vor dem Öffnungsflügel für einen ausreichenden Schallschutz (Minderung um 6 dB im Bereich des Lüftungsflügel)

Nachhaltigkeit
Das Fassadenkonzept ist maßgeschneidert auf die Anforderungen der Nutzung angepasst. Es erlaubt einen ressourcenschonenden Betrieb bei gleichzeitigem optimiertem Arbeitsplatz. Vor allem die optimale Nutzung von natürlichen Potentialen und natürlichen Baumaterialien führen zu einem hohen Nutzerkomfort. Das Gebäude ist aufgrund seines ausgewogenen Verhältnisses von transparenten zu geschlossenen, hochwärmegedämmten Flächen und aufgrund der gewählten Bauteilqualitäten energetisch optimiert sowie mit den Verglasungsqualitäten auf die Energieeinsparverordnung 2012 ausgelegt. Die Zertifizierung nach DGNB in Gold, Silber oder Bronze sind grundsätzlich möglich.