Sedlak Rissland Architekten

Büro- und Wohngebäude

Beschreibung:
Realisierungswettbewerb 2015 - 4. Preis, zusammen mit Prof. Johannes Kappler, Verwaltungsgebäude der WBG
Bauherr:
wbg Nürnberg
Standort:
Nürnberg
Zeitraum:
2015-2016

 

Städtebauliche Qualität
Das neue Geschäftshaus komplettiert die Ecke Ostendstraße / Dr.  Gustav-Heinemann-Straße mit einem solitären Baukörper. Einerseits passt sich der Baukörper mit seiner Geschossigkeit als Schlussstein auf selbstverständliche Weise in die Struktur der angrenzenden Siedlung ein. Andererseits entwickelt er durch seine markanten Einschnitte eine starke Präsenz  an einem wichtigen  Verkehrsknotenpunkt von Nürnberg. Im neuen Baukörper nimmt das ImmoCenter der wbg die prominenteste Lage im Sockelgeschoss des Gebäudevolumens ein. Es wird direkt von einem attraktiven Vorplatz an der Straßenkreuzung erschlossen. Von dort aus erreicht man den Showroom des ImmoCenters, der als adressprägendes Schaufenster für vorbeigehende und -fahrende Passanten dient. Hierdurch wird die wbg  als wichtiger lokaler Akteur auf angemessene Weise im Quartier verortet.

Funktionalität / Flexibilität
Entwurfsprägendes Element ist die Anforderung die Mietflächen als flächenmäßig flexible Gewerbeeinheiten für Büronutzung vorzusehen, im Falle einer ungenügenden Nachfrage aber auch als Wohnungen vermieten zu können. Hiermit greift die wbg eine wichtige zeitgenössische Fragestellung im Hinblick auf eine zukunftsfähige Planung auf: Wie können spezifische Räume für eine bestimmte Nutzung entstehen, die gleichzeitig auch aneignungsfähig für andere Nutzungen sind? Der vorgeschlagene, lineare Baukörper erfüllt diese Vorgabe auf ideale Weise, indem er durch seine Gebäudetiefe und Erschließungsform optimal orientierte und belichtete Büro- und Wohnflächen bietet. Durch die Lage der Erschließungszonen lassen sich ein bis vier Gewerbemieteinheiten in einer Größenordnung von 90 bis 475 m² auf den oberen Geschossebene realisieren. Bei der alternativen Nutzung mit Wohnungen sind die Einheiten so angeordnet, dass die Wohn- und Schlafbereiche jeweils nach Südosten zur ruhigeren Seite des Planungsareals orientiert sind und somit einen ausreichenden Wohnkomfort bieten. Im Sockelgeschoss befindet sich das ImmoCenter der wbg, in dem durch eine großzügige interne Verbindung beide Geschossebenen auf attraktive Weise miteinander verbunden sind. Die Erschließung der Nutzungseinheiten erfolgt über die Erhardstraße.

Gestalterische Qualität
Der Baukörper artikuliert sich als städtisches Haus mit einem dem Standort und der Nutzung angemessenen Verhältnis an geschlossenen und offenen Fassadenflächen. So lässt sich das Gebäude einerseits als ein prägnantes Gesamtvolumen lesen, andererseits ermöglichen die großen zusammenhängenden Fensterflächen attraktive Aus- und Einblicke, die zur Belebung der Umgebung führen. Die geschlossenen Fassadenflächen sind mit einem standardisierten, hinterlüfteten Fassadensystem (z. B. StoVentec C) aus Keramikplatten bekleidet. Als natürliches, rezyklierbares, preiswertes und wartungs-/unterhaltsarmes Material verleihen sie dem Gebäude durch die Lichtreflexe eine wertige Anmutung, unterstreichen den monolithischen Charakter des Gesamtvolumens und binden das Gebäude in die Fassadenabwicklung entlang der Ostenendstraße ein. Durch eine subtile, ortsbezogene Anpassung der Fassadenstruktur erhält der Baukörper eine feine innere Differenzierung. So werden die Einschnitte des Baukörpers durch einen hellen Farbton leicht  hervorgehoben und die Fensterformate am südlichen Kopf des Gebäudevolumens verlängert. Durch den Einsatz einer Prallscheibe entlang der verkehrsbelasteten Straßen (Ostendstraße / Dr.  Gustav-Heinemann-Straße) erscheint die Fassade an der Süd- und Ostfassade als eine glatte homogene Fläche, während die Fenster ohne Prallscheibe in der Nord- und Westfassade entlang der Erhardstraße das Bild einer Lochfassade mit tiefen Öffnungen erzeugen.

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit
Das Gebäude erfüllt mit der Flexibilität seiner Nutzungs-, Erschließungs-, Tragwerks- und Fassadenstruktur auf optimale Weise die Anforderungen an ein sozial, ökologisch, ökonomisch und gestalterisch nachhaltiges Gebäude. Es lässt sich an unterschiedliche Nutzungsszenarien mit Wohn- und Gewerbeeinheiten ohne größere Umbaumaßnahmen  anpassen. Durch die Verwendung eines effizienten Gebäuderasters von 1,50 m lassen sich sowohl Einzelbüros als auch offene Bürostrukturen effizient und kostengünstig realisieren. Die Spanweiten der Stahlbeton-Konstruktion ermöglichen eine wirtschaftliche Umsetzung des Entwurfsvorschlags. Alle eingesetzten Materialien sind rezyklierbar.  Das Gebäude ist durch seine Materialität und Kompaktheit so artikuliert, dass es für ein ressourceneffizientes Arbeiten und Wohnen unabdingbare Voraussetzungen erfüllt. Die zusätzlich zur passiven Solarenergiegewinnung benötigte Heizwärme wird über einen Fernwärmeanschluss mit einem günstigen Primärenergieverbrauch bereitgestellt. Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt im Regelfall über Betonkernaktivierung für die Grundauslastung. Zudem kann durch Querlüftung das Gebäude im Sommer gekühlt werden.